Aktuell:
Stellungnahme gegen Kriegsvorbereitungen
der USA
 
   

Stellungnahme
Stellungnahme
der DFG-IdK e.V.
gegen Terrorismus und
gegen die
Kriegsvorbereitungen der USA

September 2001

 

Wir, Vorstand und Mitglieder der DFG-IDK e.V. sind entsetzt über die fürchterlichen Anschläge auf tausende Zivilisten und deren Arbeitswelt in New York und Washington.

Die Art der erfolgten Vernichtung wäre bisher nur in abartiger Phantasie von Science-Fiction-Filmen denkbar erschienen.

Diese Handlung ist ein Verbrechen.

Sie ist Ausdruck von Unmenschlichkeit. Es gibt für solche kriminellen Taten keine Entschuldigung.

Es gibt keine politischen und religiösen Argumente, die diese Handlungen rechtfertigen könnten.

Die Schuldigen sollten durch die UN weltweit geächtet und soweit möglich, mit internationaler Hilfe gefasst und vor ein Gericht gestellt werden.

Wir halten es für verständlich, wenn nicht nur in den USA versucht wird, solche Verbrechen künftig zu verhindern. Doch die kommende Verschärfung aller Sicherheitsmaßnahmen werden vor fanatischen Selbstmord-Attentätern keine absolute Sicherheit geben. Eine gefährliche Nebenwirkung dieses Verbrechens ist die mögliche und wahrscheinliche Einschränkung von bisher garantierten Grundfreiheiten in demokratischen Staaten, wenn jeder Mensch verdächtig sein kann.

Wir sehen mit großer Sorge als Folge des Verbrechens einen gesteigerten Nationalismus, wachsende Fremdenfeindlichkeit und Hass gegenüber Migranten arabischer Herkunft in westlichen Ländern, pauschale Verdächtigungen gegenüber Einzelnen und allen Staaten islamischen Glaubens.

Uns erschreckt Präsident Bushs Aussage, die USA befänden sich im Krieg. Kriege werden, völkerrechtlich nach Kriegserklärungen gegen Staaten geführt — nicht gegen einzelne Personen oder Gruppen von Verbrechern.

Kein Staat hat das Recht Kriege zu führen.

Kriege sind keine polizeilichen Maßnahmen mit Verbrecherjagd. In Kriegen leiden neben wenigen Schuldigen fast nur Unschuldige. Sie dürfen nicht als Opfer einkalkuliert werden.

Kriege zu führen ist keine Heldentat, sondern ebenfalls Verbrechen an den Menschen.

Europa sollte genügend Erfahrungen gesammelt haben. —

Die Regierungen der NATO-Staaten erklärten den Bündnisfall, einschließlich der deutschen Regierung. Das heißt prinzipiell, sich an einer Kriegsführung zu beteiligen, sobald die USA einen Krieg gegen einen anderen Staat beginnen würden. Von europäischen Politikern wird behauptet, die Bündnispartner würden konsultiert werden. Diese Politiker könnten sich irren. Vielleicht würden sie wieder nur informiert werden, wenn die USA-Regierung ihr Vorhaben bereits begonnen hätte.

Die Folgen eines entsprechenden Vorgehens der US-Regierung hat Europa als Bündnispartner haben die deutsche Bundesregierung und wir alle mitzutragen.

Wir warnen vor diesem absoluten Mitläufertum.

Es gibt bekanntlich bisher keinen Beweis, dass das Verbrechen in den US-Städten von der Führung eines islamischen Staates geplant oder bewusst geduldet war, noch weniger von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Ein Krieg gegen ein anderes Land könnte hiernach auch von Militärs nicht gerechtfertigt werden. Die USA könnten eine generelle Konfrontation mit allen islamischen Staaten gegen die so genannte westliche Welt heraufbeschwören, mit einer Flut von religiös inspirierten Selbstmord-Attentätern, die alle Menschen in den USA und Europa bedrohen könnten.

Die europäischen Regierungen sollten ihre Bündnisbereitschaft dadurch beweisen dass sie ihren NATO-Partner USA dringend vor solchen Abenteuern warnen, die uns alle gefährden.Die USA sind zwar bisher durch Kapital, Wirtschaftskraft und Militär die größte Weltmacht. — In Bezug auf Einfühlung und Kenntnis der Mentalitäten und Lebensbedürfnisse anderer Länder erscheinen sie vielfach unsensibel und scheinen die Folgen ihres Handelns und außerordentlich selbstsicheren Auftretens
nicht vorhersehen zu können.

Die US-Regierung sprach nach den schockierenden Verbrechen der Anschläge in den beiden US-Städten von Angriffen auf die zivilisierte Welt.

Sind wir wirklich so zivilisiert ?

Abgesehen von den damaligen Verbrechen des 3. Reiches, getragen von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung bis 1945, wiesen sich die europäischen Kolonialherren nicht als nachahmenswert und menschenfreundlich aus.

Man könnte zweifeln, ob die US-Politik mit den tödlichen Methoden ihres Geheimdienstes CIA ein Indiz für zu respektierende zivilisierte Staaten sind. Die Staaten Südamerikas konnten davon kaum überzeugt werden. Opfer der US-Politik wurde z.B. Chiles gewählter Präsident Allende, der der US-Regierung nicht gefiel, abgelöst durch ein von den USA gestütztes Militärregime. Andere Staaten Südamerikas waren langjährig durch US-Konzerne ausgebeutete Gebiete, was die Freundschaft der Länder zu den USA nicht gerade förderte.

In der so genannten 3. Welt wurden von den westlichen Staaten, führend durch die USA, normalerweise nicht die Befreiungsbewegungen unterstützt. Interessanter für die „zivilisierte“ westliche Welt waren vielfach die ihr Land diktatorisch führenden Kräfte, die wirtschaftlich und militärisch vorteilhafter für die westlichen Staaten erschienen.

Die schlimme Situation Afghanistans, mit einer fanatisch fundamentalistisch-religiösen, das eigene Volk unterdrückenden Führung, konnte sich nur durchsetzen und ca. 90 % des Landes erobern, durch die militärische Unterstützung durch die USA. Die heutige Lage ist der US-Führung zu verdanken, die die Folgen ihrer Einwirkung nicht voraussah.

Die weltweiten Eingriffe unserer „zivilisierten Staaten“ mit ihrer oft demonstrativen machtpolitischen Überlegenheit, ohne gleiche Rechte zu garantieren - wie in Nah-Ost, fördert Gewalt und Fanatismus, besonders von Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben. Dies schadet nicht nur den armen, dort lebenden Menschen, es gefährdet uns alle.

In Sicherheit zu leben ist ein berechtigter Wunsch der Menschen in den USA, Europa und den anderen Kontinenten.
Es ist höchste Zeit zu verstehen, dass diese Sicherheit nicht durch militärische Überlegenheit, durch vermeintliche Unverwundbarkeit durch „Raketenabwehrschirme“ und die Bereitschaft,

Kriege zu führen gewährleistet werden kann. Sicherheit kann nur wachsen durch zivile Hilfe für ärmere Länder, durch Hilfe zur Selbsthilfe ohne Vorteilnahme der Industrieländer.

Sicherheit kann durch berechtigtes Vertrauen geschaffen werden, durch Respekt vor anderen Kulturen und eine Brückenbildung innerhalb der menschlichen Gesellschaft, ohne Vorherrschaft und Darstellung vermeintlicher Überlegenheit.

Für aufgeklärte Humanisten war und ist die Ablehnung von Gewalt und Kriegsbereitschaft selbstverständlich, wie für uns als DFG-IdK.

Die Urchristen verweigerten jeden Militärdienst. Die sich heute Christen nennen, sollten sich ein Beispiel nehmen. „Stecke Dein Schwert in die Scheide. Denn wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen,“ (Christus verkündete es, gemäß dem Neuen Testament.)

Kriegsbegeisterung, gepaart mit Prestigebedürfnissen kann nur Leid und Elend schaffen.

Wir werden keinen Krieg unterstützen. Wir wollen Frieden.

Der Vorstand


Kontakt & Information: mittwochs 19 bis 21 Uhr, Tel. 45 34 33

 

 
ZURÜCK